Interview Cover mit Anja Kossiwakis

Interview Cover mit Anja Kossiwakis

In der DDR war sie eines der bekanntesten MODELS. Heute hat sie das Who is Who der Modewelt vor der Linse. COVER Online sprach mit ANJA KOSSIWAKIS (44) über Mode in der DDR, den dortigen Model-Status und FOTOGRAFIE.

IN DER DDR ZÄHLTEN SIE ZU DEN BEKANNTESTEN MODELS. WIE KAMEN SIE DAZU?

Das war eher Zufall. An einem kleinen Modeladen hing ein Zettel mit einem Gesuch vom „Verlag für die Frau“ nach Models. Da habe ich kurzentschlossen ein paar Fotos hingeschickt und bin dann kurz danach zu Probeaufnahmen nach Leipzig gefahren. Der Fotograf Günter Rössler sah mich und sagte mir direkt, dass er eigentlich gar keine Probeaufnahmen bräuchte, weil ich so fotogen bin. Das war natürlich ein großes Kompliment. Nach dem ersten Fotoshooting war er so begeistert von den Fotos, dass ich noch einmal zum Covershooting eingeladen wurde.
Das Leben als Model in der DDR war überhaupt nicht glamourös. Da ich hauptberuflich in der Sparkasse arbeitete, fuhr ich dann meist am Mittwoch (damals ein kurzer Arbeitstag bis 12.25 Uhr) mit dem Zug nach Leipzig, dann ging das Shooting direkt los – ohne Make-up und Hairstyling, nur etwas Puder. Also wirklich kein Glamour! Supermodels gab es nicht, aber es gab ja auch keine bekannten Designer.

WIE WÜRDEN SIE DIE DAMALIGE MODE BESCHREIBEN? GAB ES ZUM BEISPIEL IN-LABELS?

Die Mode in der DDR war einfach und praktisch. In den Geschäften gab es nicht so viel modische Sachen zu kaufen. Deshalb waren die Zeitschriften mit den Näh- und Strickanleitungen auch so beliebt. Eine andere Alternative war es, sich im Urlaub in Ungarn mit Markensachen aus dem Westen einzudecken. In den „Exquisit“-Läden gab es auch westliche Mode zu kaufen, aber allerdings fast unerschwinglich für die niedrigen Gehälter. Da ich immer mit Klamotten aus dem Westen von meiner Tante eingedeckt wurde, gab ich mein Geld dann immer für schöne Schuhe im „Exquisit“ aus. Meine Lieblingsmarke waren Richter-Schuhe aus Österreich, weinrote Stiefeletten mit goldenem Innenfutter und zum Umschlagen.
Nachdem ich dann am 11.11.1989 in Wiesbaden angekommen bin und auch sofort bei der Sparkasse einen Job bekommen habe, habe ich mir als Erstes eine schöne braune Lederjacke gekauft. Ein weiteres modisches Highlight war für mich der erste Besuch in Paris. Im Versace-Shop bin ich in ein weißes Abendkleid geschlüpft und war grenzenlos begeistert. Aber das war natürlich unerschwinglich!

HEUTE FOTOGRAFIEREN SIE LIEBER, STATT NOCH SELBST ZU MODELN. WAS IST IHR LIEBLINGSMOTIV?

Mit meinen Fotos habe ich viele Designer begeistert, und nun berichte ich sogar für die Verlagsgruppe Rhein-Main über Mode und Events. Durch meine Kinder habe ich den Spaß am Fotografieren entdeckt und habe anscheinend auch ein gutes Auge für Situationen und Stimmungen. Da die Kinder aber mit zunehmendem Alter immer weniger Lust aufs Fotografieren haben, ist nun unser Hund Fleurchen ein beliebtes Fotomotiv. Sie ist ein richtiger Medienhund. In Paris konnte sich auch keiner ihrem Charme entziehen und alle wollten Fotos mit Fleurchen. Nur Anna Wintour nicht …

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